| Arthrose und Probleme mit der Bandscheibe bedeuten in der Regel das Aus für den Tänzer |
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Giacomo Panuchi hatte ein Problem. Er hatte schon seit einiger Zeit Probleme mit einer Bandscheibe. Stets war er von Rückenschmerzen geplagt, sodass zunächst gar der Verdacht der Arthrose im Raum stand. Dies bestätigte sich jedoch glücklicherweise nicht. Es hätte zweifelsohne das Aus für seine Karriere als Profitänzer bedeutet. Dennoch bestand das Problem mit der Bandscheibe. Sein Arzt hatte ihm zu verstehen gegeben, dass eine möglichst rasche Operation von Nöten sei, um diesen Schaden wieder zu beheben. Danach wäre dann eine mindestens zwei Monate währende Regenerationsphase fällig, in der auch das Tanzen Tabu wäre. Diese Diagnose hätte sich zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt ergeben können. Giacomo hatte selbst unter Schmerzen auf das große Tanzturnier in Salzburg hingearbeitet. Er hatte schon so viele Meriten im Tanzsport erreicht, doch in Salzburg konnte er noch nie gewinnen. Dies wollte er nun, im beginnenden Herbst seiner bemerkenswerten Karriere, ändern. Jedoch wusste er wohl, dass es mit seiner Bandscheibe sehr schwer fallen würde, eine überzeugende Figur abzuliefern und Giacomo hatte große Angst, sich zum Gespött zu machen. Doch den Wettbewerb einfach sausen zu lassen, was bei einer OP zu diesem Zeitpunkt unweigerlich der Fall gewesen wäre, kam für Giacomo nicht in Frage. Sein Arzt hatte glücklicherweise Verständnis dafür und empfahl ihm einen Therapeuten, der sich seines Problems annehmen könne. Allerdings ließ sich der Arzt auch versichern, dass Giacomo sich nach dem Wettbewerb einer OP unterziehen würde. Der Therapeut, Amadeus Bender, entpuppte sich als genau der richtige Mann für Giacomos Problem. Er vermittelte ihm eine Schonhaltung, in der Giacomo schmerzfrei und nahezu unbeeinträchtigt jeden Tanz, vom Walzer bis zum Tango, durchführen konnte. Zwar entsprach die Haltung dadurch nicht mehr ganz dem Schulbuch, jedoch konnte Giacomo die meisten Manöver (auch die schwierigeren) ohne Schmerzen ausführen. Am Tag des Wettbewerbs kamen Giacomo jedoch Zweifel, als er die junge Konkurrenz sah. Würde er nicht unweigerlich eine komische Figur abgeben? War sein Ehrgeiz vielleicht größer als sein Verstand gewesen? Seine Tanzpartnerin Bärbel war zweifelsohne in Höchstform, jedoch wurde Giacomo mehr und mehr bewusst, dass er möglicherweise allein sich selbst etwas vormachte, wenn er glaubte hier gut abschneiden zu können. Doch nun war es zu spät. Der Tanzwettbewerb lud zur ersten Runde ein. Escobar de Santos, der den Vorsitz der Jury innehatte und schon über den Ausgang so einiger Tanzwettbewerbe der renommiertesten Art mit entschieden hatte, fiel gleich in Runde eins ein versierter Tänzer auf. Es war einer der wenigen älteren Herren, die an diesem Turnier teilnahmen. Einen solchen Tanzstil noch erleben zu dürfen, daran hatte der gebürtige Spanier nicht geglaubt! Der versierte Tänzer, ein gewisser Giacomo Panuchi, tanzte mit einer exotischen Körperhaltung, die ihn etwas distanzierter zur Tanzpartnerin wirken ließ und doch eine gewisse Intimität verhieß. Durch diese meisterliche Kombination, die der Tänzer Giacomo Panuchi mühelos für jeden Tanz adaptieren konnte, hatte sein Tanzstil eine Würde, die Escobar de Santos zuletzt bei den großen Meistern der Zunft gesehen hatte. Auf einen Schlag wusste Escobar de Santos, dass er es hier mit einem Mann zu tun hatte, der noch wusste, dass es beim Tanzen mindestens so sehr auf Psychologie ankam wie auf athletische Aspekte. Giacomo Panuchi gewann den Wettbewerb mit deutlicher Dominanz. Auch nach erfolgter OP und anschließender Regeneration behielt Giacomo diesen Tanzstil bei, sodass dieser von der Ausnahme zur Regel wurde. |